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Der Inkubator – das digitale Geschäftsmodell für den Mittelstand

Zu wenig Zeit im Tagesgeschäft, starre Strukturen und fehlende Digitalkompetenzen bei den Mitarbeitern – vielen Mittelständlern fehlt ein Umfeld, in dem neue Ideen agil entwickelt, getestet und zur Marktreife gebracht werden können. Dabei brauchen gerade diese etablierten Unternehmen langfristig eine Umgebung für Innovationen: Viel zu wertvoll ist zum einen ihre Erfahrung und zum anderen ihre Bedeutung für die Wirtschaft. Doch es gibt ein Geschäftsmodell, das gerade im Mittelstand langfristigen Erfolg verspricht: Den sogenannten „Inkubator“.

Lösungsansätze wie Digital Labs, Acceleratoren oder Company Builder klingen vielversprechend, bringen aber häufig nur kurzzeitigen Erfolg. Ebbt die anfängliche Euphorie für neue Digitalisierungsrozesse ab, sind Unternehmen in ihrer digitalen Transformation häufig nur geringfügig vorangekommen – wenn überhaupt.

In der Strukturfalle

Betrachtet man die Historie des deutschen Mittelstandes, sehen wir einen großen Anteil an Unternehmen, die in der Mitte des 20. Jahrhunderts entstanden sind – lange vor der digitalen Transformation, lange vor Silicon Valley, Big Data & Co.

Diese Unternehmen kämpfen im Zuge des digitalen Wandels mit erheblichen strukturellen und kulturellen Problemen, die ironischerweise ausgerechnet vom (noch) erfolgreichen Kerngeschäft verursacht werden. Gewachsene Prozesse und Richtlinien blockieren kreative Freiräume und behindern so den Weg zu Innovationen: Das Unternehmen ist in der sogenannten „Strukturfalle“ gefangen, kann es sich aber einfach nicht leisten, Ressourcen vom Kerngeschäft abzuziehen.

Nach Jahren des zaghaften Herantastens an Digitalisierungsinitiativen im deutschen Mittelstand ist die Strukturfalle mit ein Grund, warum die wenigsten Unternehmen es zeitlich und organisatorisch schaffen werden, intern die passenden Rahmenbedingungen für Innovationen zu schaffen. Egal, wie sehr auch eine Marktanalyse die Notwendigkeit aufzeigen mag oder Strategiepapiere von Unternehmensberatern dies fordern.

Es geht nicht ohne „Innovationskultur“

Genau aus diesem Grund reicht beispielsweise ein Digital Lab als Lösung nicht aus: Es findet zu sehr auf Projektebene und losgelöst vom Tagesgeschäft des Unternehmens statt. Es bleibt ein Nebenschauplatz. Für den langfristigen Erfolg braucht es aber eine „Innovationskultur“, die es den Teams ermöglicht, regelmäßig neue Ideen zu entwickeln, auszuprobieren und umzusetzen. Denn die Innovationszyklen werden durch die Digitalisierung kürzer und kürzer; die Märkte sind in ständiger Bewegung. Unternehmen – auch Mittelständische – müssen sich so aufstellen, dass sie hier noch mitgestalten können.

Das Inkubator-Modell hat das Ziel, diese neuen Geschäftsmodelle nicht nur zu finden, sondern sie bis zur Markreife zu bringen und zu kommerzialisieren.

Mit dem Inkubator zum marktreifen Digitalprodukt – wie geht das?

Ein Inkubator ist entsprechend auf einen langen Zeitraum ausgelegt und hebt sich von den schnellen Digitalfeuerwerken eines Accelerators oder Digital Labs ab. Accelerator sollen ein neues Produkt möglichst schnell zum Erfolg bringen, indem zum Beispiel über einen bestimmten Zeitraum die eigenen Mitarbeiter intensiv für die neue Markteinführung gecoacht werden – die Arbeit des zu Deutsch übersetzten „Beschleunigers“ endet im Anschluss daran aber wieder.

Beim Inkubator-Modell ist das anders: Hier wird eine langfristige Begleitung eines Unternehmens angestrebt und gleichzeitig die Agilität und die Mentalität eines Startups in die Firma gebracht. Allerdings ist es sinnvoll, den Inkubator losgelöst vom Stammhaus aufzubauen – mit der Unterstützung der unternehmenseigenen Wissensträger. Denn während Erfahrung und Wissen des etablierten Unternehmens wichtige Erfolgsfaktoren sind, kann zu viel Nähe zum Stammhaus schnell hinderlich für neue Innovationen sein. Deswegen funktionieren unternehmenseigene Programme oder interne Corporate Inkubatoren im Mittelstand häufig nicht.

Eine solche Auslagerung bietet den Raum für Neues: Parallel zum Kerngeschäft kann sich mit der richtigen Balance zwischen Erfahrung und Freiraum eine eigenständige Organisation entwickeln, die sich vor allem darauf fokussieren kann, schnell und marktorientiert digitale Geschäftsmodelle zu entwickeln und zur Marktreife zu bringen. Und zwar ohne an festen Strukturen zu scheitern.

Best Case: GIRA

Hat ein Inkubator erst einmal ein marktfähiges Produkt oder ein digitales Serviceangebot hervorgebracht, kann zum Beispiel die weiterführende strategische Partnerschaft mit Digitalisierungsexperten eine Option sein.

Ein gelungenes Beispiel für ein solches Inkubator-Modell ist die GIRA Giersiepen GmbH aus Radevormwald. Durch die Zusammenarbeit mit Convidera konnte das Familienunternehmen, das unter anderem Smart Home-Lösungen entwickelt, erfolgreich ins Digitalgeschäft einsteigen. Bereits 2015 begann GIRA damit, ein Digitalteam aufzubauen, das inzwischen aus sechs GIRA- und aus fünf Convidera-Experten besteht. Dieses Team arbeitet auch räumlich getrennt vom Kernunternehmen, um frei vom Tagesgeschäft innovieren und entwickeln zu können.

Die ganze Erfolgsgeschichte von GIRA können Sie hier nachlesen.

Geschäftsmodelle zu Ende denken – und zwar richtig

Letztendlich braucht der Mittelstand für die Entwicklung neuer Geschäftsmodelle eine Startup-Mentalität und das Durchhaltevermögen, ihre digitalen Produkte auch zu kommerzialisieren. Vor allem Letzteres wird häufig unterschätzt. Viele „Hubs“ und „Labs“ werben zwar mit einer sehr kurzen Inkubationszeit für digitale Produkte und Lösungen, gewährleisten im Anschluss daran aber keine fachliche Begleitung und Ressourcen, die dann in der entscheidenden Kommerzialisierungsphase fehlen. Hier bietet das Inkubator-Modell eine bessere Allround-Lösung mit einer langfristigen Perspektive.

Funktionieren kann allerdings auch das nur, wenn Strukturen und Prozesse geschaffen werden, die die Entwicklung von der Idee bis hin zur finalen Ausgründung vorher abbilden. Nur dann kann ein Inkubator verhindern, dass erfolgsversprechende Ideen verkümmern, ins Leere laufen oder es nicht auf das mögliche Innovationslevel schaffen.

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