Digitalisierung in der Arbeitswelt: Erfolgsmodell Inkubator – ein Best Practice Beispiel

Digitalisierung in der Arbeitswelt: Erfolgsmodell Inkubator – ein Best Practice Beispiel

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Transformation

Deutschland ist das Land des Mittelstandes. Großartige Firmen bedienen den Weltmarkt über einen langen Zeitraum sehr erfolgreich mit exzellenten Produkten und Lösungen. Im Zuge der digitalen Transformation zählen die Qualitäten dieser Unternehmen mehr denn je. Die Rahmenbedingungen am Markt verändern sich mit dem technologischen Fortschritt und Konsumenten-Verhalten jedoch sehr schnell: In diesem Zeitalter der Netzwerkökonomien müssen sich Firmen auf neue Spielregeln einstellen: Die Anforderungen an Geschäftsmodelle, Produktstrategien, Kommunikationsstrukturen, etc. wandeln sich drastisch. Neue Wettbewerber kommen in den Markt und fallen mit disruptiven Ansätzen in die existierenden Wertschöpfungsmodelle ein. Die hier notwendigen Transformations-Prozesse in Unternehmen können sich über einen langen Zeitraum hinziehen. Um sie erfolgreich zu bestreiten, bedarf es alternativer und rechtzeitiger Change Management-Modelle, um die eigene Wettbewerbsfähigkeit in der sich schnell verändernden Netzwerkökonomie auch langfristig sicherzustellen. Beim sogenannten „Inkubator Modell“ lassen Firmen Teile Ihrer Belegschaft mit Experten zusammenarbeiten. Sie ermöglichen ihnen dadurch strategische wie praxisnahe Einblicke und optimales Kooperieren mit digitalen Vorreitern. Durch eine verbesserte Wertschöpfung realisieren Unternehmen somit wesentlich effizientere Prozesse. Inkubatoren beschleunigen auf diese Weise den Know How-Transfer ins eigene Unternehmen, und Mitarbeiter profitieren von der Unterstützung bei der Bewältigung transformativer Aufgaben. Diese Inkubatoren sind auf Dauer angelegte Kollaborationsmodelle. Seit einem halben Jahr betreiben wir in der Convidera mit der Firma Gira einen solchen Inkubator an unserem Standort Köln. Zeit für eine Bestandsaufnahme.

Ein Interview mit Torben Bayer, Leiter Markenentwicklung und Marketing bei Gira:


Vor welcher organisatorischen Herausforderung standen und stehen Sie im Thema Digitalisierung bei Gira?
T. Bayer: Die Digitalisierung eröffnet neue Möglichkeiten für unser Business. Sie setzt aber auch voraus, dass wir uns weiterbilden, alte Denkmuster hinterfragen, neue Denkmuster entwickeln und diese auch organisatorisch effektiv einsetzen. Wir müssen lernen, mit den Vorteilen der Netzwerkökonomie umzugehen und unsere Mitarbeiter dabei mitnehmen.

Warum haben Sie sich für ein Inkubator Modell/ Co-working Modell entschieden?

T. Bayer: Viele Aspekte der Digitalisierung müssen wir erst lernen. Eine neue Art der Kommunikation nach innen und außen stellt uns vor neue Herausforderungen. Es wird in anderer Geschwindigkeit und „auf Augenhöhe“ kommuniziert. Bestehende Kommunikationswege und Rückkopplungen im Unternehmen werden den Anforderungen der Digitalisierung noch nicht gerecht. Die Mitarbeiter brauchen das greifbare Bild, „dass es geht“ und die Chance, diese neue Sicherheit zu bekommen und Ihre Fähigkeiten darauf auszurichten und auszubauen.

Welches sind aus Ihrer Sicht die Vorteile eines solchen Inkubator Modells?

T. Bayer: Durch die enge Verzahnung von Spezialisten und eigenen Mitarbeitern gelingt es, Strategien und Konzepte schnell umzusetzen und mit dem firmeneigenen „Spirit“ zu synchronisieren: Wir gestalten die Transformation in den neuen Rahmenbedingungen der Digitalisierung und bewahren die Persönlichkeit des Unternehmens und der Marke.

Neue Arbeitsmethoden bei Convidera: Inkubator-Modell


Für welche Funktionen sehen Sie diese Form der Zusammenarbeit als geeignet an und warum?

T. Bayer: Auf unserem Weg der Digitalisierung helfen uns vor allem Spezialisten, die richtigen Fragen zu stellen und erst dann Entscheidungen zu treffen. Relevant ist dies für einige Funktionen bei Gira: Unsere Online-Redaktion, das Community-Management, aber auch die Kreativbereiche und Analysemethoden. Wir ergänzen gezielt deren Fähigkeiten und erweitern so Handlungsspielräume.

Wie ist das Feedback Ihrer Mitarbeiter?

T. Bayer: Deutlichste Rahmenbedingung und Signal in die eigene Organisation ist sicherlich die räumliche Trennung. Sie symbolisiert nicht nur den gewährten Freiraum, Arbeitsweisen neu zu definieren, sondern holt die Mitarbeiter wirklich aus mancher Befangenheit im gewohnten Umfeld raus. Die Mitarbeiter nehmen diese Chance durchweg positiv an und bringen Ihre neuen Kenntnisse als Nutzen in das gesamte Unternehmen ein.

Welche entscheidenden Veränderungen zeichnen sich durch das Inkubator Modell ab?

T. Bayer: Vor allem die Erkenntnis, wie schnell sich diese neuen Methoden und Prozesse in den Organisationen durchsetzen, bedingt eine weitere Durchdringung im Unternehmen. Dies beschleunigt dann auch die Einbindung weiterer Bereiche und forciert somit die Transformation im Unternehmen.

Hat Sie die Zusammenarbeit animiert, dieses Modell auch in anderen Abteilungen Ihres Unternehmens vorzuschlagen?

T. Bayer: Absolut, denn diese Form des Lernens der Organisation greift nur, wenn die Wege in allen Unternehmensbereichen darauf ausgerichtet sind. So geht es für uns nicht darum eine „Wissensinsel“ zu fördern, sondern immer mehr Mitarbeitern die Chance zu geben, den eigenen Nutzen zu erkennen, zu lernen und in das eigene Umfeld mitzunehmen.

Welche persönlichen Insights haben Sie bislang aus dieser Zusammenarbeit gezogen?

T. Bayer: Diese Bereicherung möchte ich nicht mehr missen und ich würde es als wirklichen Glücksgriff bezeichnen, dass wir uns aus unternehmerischer Sicht diese Möglichkeit eröffnet haben. Dieses Lernmodell ist dabei nicht die singuläre Pflicht der Mitarbeiter alleine, sondern besonders die der Geschäftsführung und des Managements, die bereits freiwillig „infiziert“ sind. Gemeinsam sehen wir den Beginn eines Wandels im Unternehmen – und es fällt uns leicht, den aktuell kursierenden Schlagzeilen zu den neuen Herausforderungen an die Arbeitsbedingungen im Rahmen der Digitalisierung positiv zu begegnen.

Welche nächsten Schritte planen Sie? Wie sehen Sie die zukünftige organisatorische Weiterentwicklung im Thema Digitalisierung bei Gira?

T. Bayer: In erster Linie gilt es, die erarbeiteten Strukturen zu festigen und den Mitarbeiter Rückhalt zu geben, diese auch im Unternehmen fortzusetzen. Dies gelingt uns durch den Transfer von Erprobtem in unsere bestehenden Unternehmensstrukturen und bietet dem Team die Freiräume um wieder Neues aufzugreifen und anzunehmen. Ich sehe es als Unternehmensaufgabe, diesen Kreis zu schließen und damit unsere Rolle in der Digitalisierung klar zu definieren.

Torben Bayer, Leiter Markenentwicklung und Marketing bei der Gira Giersiepen ist seit 1996 im Unternehmen tätig.


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