Früher war mehr Lametta –
über den Zusammenhang von Digitalisierung und Dematerialisierung

Früher war mehr Lametta –
über den Zusammenhang von Digitalisierung und Dematerialisierung

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Transformation

Verbraucher befriedigen immer mehr ihrer Bedürfnisse auf digitalem Weg. Besonders für Unternehmen, deren Geschäftsfeld die klassische Güterproduktion ist, ergeben sich daraus neue Herausforderungen bei Herstellung und Vertrieb.

Weniger auspacken

Weihnachten ist noch nicht lange her. Was lag bei Ihnen unterm Baum? Vielleicht ein Digital-Abo für Filme oder Musik, als Gutschein verpackt – eine Reminiszenz an die Stofflichkeit früherer Geschenke? Denn noch vor ein paar Jahren fand sich an selber Stelle womöglich eine CD- oder DVD-Box.
Was verändert sich damit? Zunächst einmal fehlt die Spannung beim Auspacken der Geschenkkartons. Irgendwie schade? Die Medaille hat zwei Seiten: Durch das Weniger an Verpackung und Medienträgern entfallen Berge an Müll.

Digitalisierung bedeutet Materialeinsparung

Über lange Zeit galt: Wächst das Bruttoinlandsprodukt, wächst die Menge der materiellen Produkte. Für deren Herstellung werden Energie und Ressourcen benötigt, am Ende ihrer Lebensdauer werden sie entsorgt und hinterlassen Spuren in Umwelt und Natur.
Mit der Digitalisierung bahnt sich ein Richtungswechsel an: In vielen Bereichen sorgt sie für eine Reduzierung des Materialbedarfs. Das Erste, was vielen dabei einfällt, ist die Papiereinsparung. Wer erinnert sich an die Kohorten an Aktenordnern, die Bürowände bis in die 90er Jahre zierten? Mit dem papierlosen Büro geht ein reduzierter Bedarf an weiteren Materialien einher, seien es Schränke, Drucker, Kopierer, Ordner, Locher, Tacker – und den Maschinen, die diese Dinge herstellen.

 

Teilen und tauschen statt besitzen

Die Auswirkungen der Digitalisierung gehen jedoch viel weiter. Konsumenten nutzen zur Befriedigung ihrer Bedürfnisse immer stärker Apps und digitale Sharing- und Tauschplattformen. So genutzte Güter müssen nicht für den eigenen Besitz angeschafft werden. Wer dank Carsharing mit ein paar Klicks ein verfügbares Auto in der Nähe ausmacht, kommt gut ohne eigenes aus. Die Folge: Die Zahl der produzierten Autos pro Einwohner kann dauerhaft sinken. Damit werden Parkplatzflächen frei, weniger Produktionsstandorte benötigt und der Ressourceneinsatz sinkt.

Freie Parkplätze vor einem Gebäude in der Innenstadt dank Carsharing

Carsharing reduziert die Zahl der notwendigen Parkplätze und macht damit Flächen frei.

Und die Folgen für produzierende Unternehmen?

Eine Reduktion in der Güterproduktion klingt für Hersteller erst einmal bedrohlich. Wie reagieren solche Unternehmen auf eine sinkende Nachfrage in ihrem Kerngeschäftsfeld?
Eine Möglichkeit ist die Angebotserweiterung in Richtung digitaler Dienste. Software für die Steuerung und Vernetzung von Produkten wird im Internet of Things immer essenzieller. Wer diese Software zur Verfügung stellt, hält die Hebel in der Hand.
Auch in der Produktionsplanung hilft Digitalisierung, Ressourcen einzusparen. Wird der aktuelle Güterbedarf mit Lagerbeständen abgeglichen, lassen sich unnötige Transporte vermeiden. Noch weiter greift eine individualisierte Produktion: Adidas hat 2015 ein Verfahren präsentiert, Sneaker individuell an den Fuß des Trägers angepasst herzustellen – innerhalb weniger Stunden durch einen 3D-Drucker. So werden weniger Schuhe auf Halde produziert.

Der neue Minimalismus als USP

Die Digitalisierung geht mit veränderten Konsumgewohnheiten einher. Alte Statussymbole – oft sperrige Güter – bedeuten heute oft mehr Last denn Lust. Gefragt ist nicht das Besitzen, sondern das bedarfsweise Verfügen. Dieser Ansatz erfordert digitale Dienste für Vernetzung, Kommunikation und Organisation. Erweitern Unternehmen ihr Angebot in diese Richtung, treffen sie den Nerv der Zeit und werden zu Managern der Dematerialisierung. Verringern sie gleichzeitig den Materialeinsatz, können sie einen Wandel der eigenen Markenidentität erreichen und sich glaubhaft als nachhaltig positionieren. 

Digitale Transformation – Digitale Kommunikation

Ein Aspekt sollte noch bedacht werden: In Social Media wird über alles gesprochen. Nur wer den Dialog mit seinen Kunden sucht und sich so auf veränderte Konsumentenwünsche einstellt, bleibt relevant. Wenn sich Unternehmen nachhaltigen Umgang mit Materialien auf die Fahnen schreiben, müssen sie darauf achten, dass die Gesamtbilanz stimmt. Denn auch für digitale Geräte fällt Ressourcen- und Materialverbrauch an. Konsumenten und Social Media Nutzer sind kritisch und brandmarken Greenwashing schnell.
Mit den Neuerungen durch Digitalisierung und Dematerialisierung werden bestehende Unternehmensformen und -kulturen auf den Prüfstand gestellt. Wer Unterstützung sucht, den begleiten Experten wie Convidera auf ihrem Weg durch die digitale Transformation.

Und wer übrigens an den Weihnachtstagen, ganz wie Opa Hoppenstedt aus Loriots „Weihnachten bei Hoppenstedts“, feststellte: „Früher war mehr Lametta“, dem sei gesagt: Die Lametta-Produktion wurde in Deutschland 2015 eingestellt. Verbraucher fragen heute verstärkt LED-Lichterketten und langlebigen Holz-Baumschmuck nach.